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    Boracay – die nackte Wahrheit

    Boracay

    Ich sitze in einer Nusschale: Das Ding ist eine Bangka. Ein ganz normales Boot auf den Philippinen. Kein Grund zur Sorge. Mir ist irgendwie trotzdem nicht wohl. Boracay – wieder eine neue Insel, wieder auf ins Unbekannte ganz allein. Da verlässt sogar mich manchmal die Abenteuerlust, vor allem wenn 10 Stunden Reisezeit hinter mir liegen und mir elend heiss ist.

    Mit der Bangka unterwegs

    Mit der Bangka unterwegs

    Kleiner Tipp an mich selbst: Die Länderinfo vom Auswärtigen Amt entweder lange vor dem Aufenthalt lesen (sinnvoll für die Reise- und Impfplanung), dann die ganzen Warnungen vergessen oder erst, wenn du schon den ersten Kulturschock hinter dir hast. Alles andere macht mich zu einem nervösen Angstklumpen und das kann ich als alleinreisende Powerfrau ja nunmal gar nicht gebrauchen.

     

    Bulabog

    Bulabog

    Die Schwimmweste hab ich bereits um den Hals, der Magen ist sicherheitshalber leer und die Überfahrt von Caticlan nach Boracay dauert nur 15 Minuten. Vor Ort pferche ich mit zittrigen Händen meine Kitebag auf ein Tricycle, verhandle tapfer den Preis und los geht die Fahrt ins Ungewisse. Die Armut abseits vom White Beach ( und auch dort, man muss nur hinschauen) macht mich stumm. Bambushütten wechseln sich mit Müllbergen ab. Alles sieht aus, als würde es beim nächsten Taifun weggepustet. Obwohl ich nicht das erste mal mit Armut und Dreck konfrontiert bin, bin ich erstmal geschockt. Ich hab viel von Boracay gehört und gelesen. Aber die bettelnden Kinder  und die zerzausten Ureinwohner (Ati) kamen da nicht vor. Oder ich hab es nicht hören wollen?

    süsser kleiner Bub

    süsser kleiner Ati Bub

    Nachdem ich vom Tricycle vor der 24/7 grocery ausgespuckt werde, stehe ich kurz etwas verloren im Gewühl der Main Road zwischen White und Bulabog Beach. Ich wühle mich samt Kitebag und Rucksack mutig durch eine meschenverstopfte Gasse voller Abwasserpfützen und stehe vor dem hobbit house, meinem vielversprechend aussehenden AirBnB. Allerdings bin ich nach 12h Reisezeit so im A… dass mir essen und schlafen sowieso vielversprechend sind.

    Bulabog Beach

    Bulabog Beach

    Schweissdurchtränkt vom Schleppen der Kitebag (nur 24,9kg!) erfasse ich die Lage: Mein „Zimmer“ im hobbit house ist bestenfalls eine Koje. Ein Hochbett (würg!), in das eben ein Hobbit reinpasst, aber ich mit meinen 170 cm nur sehr knapp. Ein schmutziger Vorhang trennt mich vom Schlafzimmer meiner Vermieterin und dem Klo/ Bad. Nachdem ich schon gelernt habe, ohne Klositz und Spülung zurechtzukommen, nun also ein Badezimmer ohne privacy….In diesem Moment verfluche ich meine Reiselust und Spontaneität.

    Toyboy❤️

    Toyboy❤️

    Was tun? Essen, schlafen, atmen, kitesurfen.

    Der nächste Tag bringt sehr viel Glück. Das Zauberwort heisst Bulabog: 15 Knoten und keine 20 Kiter aufm Wasser! Flat water kristallklar ohne Jellyfish! Ich vermeide Bodenkontakt wegen Seegras und –igeln und komme ohne Schuhe aus.

    Ich häng an meinem 12er mit Herz und Hirn und bin ein Glückskeks! Der Windguru verheisst die ganze Woche Action ! Ich beschränke mich aufs Hier und Jetzt und geniesse ungetrübte Kitefreuden. Den Muskelkater bekämpfe ich mit Yoga für Kitesurfer, das von Simone und Marcus vom Funboard- Center angeboten wird. Das wiederum ist mein Lieblingsort fürs Frühstück nach der ersten Kitesession. Hier gibt es homemade bread und sogar Zopf. Frisches echtes Essen und leckere Brownies! Der Wind ist vormittags am besten, also bin ich freiwillig um acht aufm Wasser, OHNE Frühstück!

    ready to ride

    ready to ride

    Auch das Mittagessen ist sehr lecker und gesund. Frische Früchte, Rührei und Tunasalat, den ich auch noch selbst würzen und dressen darf. Dazu gibt es ungefragt Gekuschel mit Mia, der rotweissen Katze des Hauses, die gern auf meinem Schoss abhängt und mir den Bauch mit ihren Krallen massiert. Weil sie dabei so süss schnurrt, darf sie das. Das Funboard Center ist mein Zuhause auf Boracay.

    Puka Beach

    Puka Beach

    Den besten Kuchen gibt es im Cafe del Sol am White Beach, Station 2. Der Mango Cheesecake mit iced cappuccino kriegt von mir fünf Sterne und die Kalorien sind mir egal. Ich bin nicht skinny und werde es nie sein- aus gutem Grund. Ich liebe Essen und es macht mir riesig Spass, mich durch einen neuen Ort zu essen. Morgen ist ja wieder Wind. Unter meinem hartnäckig fortbestehenden „christmas belly“ spüre ich meine verkaterten Bauchmuskeln. Supergeil, mehr davon. Bitte jeden Tag! Heute hab ich mir sogar ein paar neue Sachen beibringen können, mal die andere Seite Toeside turn und aus Versehen sogar ein ganz abgefahrener Sprung- naja, also für meine Verhältnisse halt. Die basic jumps lass ich am besten weg. Das hat mit der Trambahnhalse ja auch nie funktioniert. Die kann ich bis heute nicht schön. Ein sehr erfolgreicher Kitetag. Irgendwann werden meine Hüpfer noch Sprünge, daran glaub ich fest.

    Habagat Kitevillage

    Habagat Kitevillage

    So und zwar genau SO wie jetzt könnte ich ewig weitermachen. Gib mir Wind und Wasser und ich bin pure Lebensliebe! So will ich mich am liebsten immer fühlen. Ich grinse den Rest des Tages tiefenentspannt vor mich hin und tagträume, Pardon visualisiere, eine am Kite fliegende Bine.

    In der zweiten Woche ziehe ich um, weil ich im Hobbit House nicht richtig schlafen kann. Wenn der Partylärm verstummt, krähen zwei Stunden später die Hähne um die Wette. Sind die fertig, haut dich der Baulärm ausm Bett. Ich erliege der Verlockung einer „Vom Bett aufs Brett- Unterkunft“ und wohne fortan im  Habagat Kitevillage bei Winnie. Das ist ein zauberhafter Ort für Kitesurfer. Ich habe einen sehr guten Zimmerpreis bekommen, weil ich den ganzen Monat geblieben bin und Ende der Saison war.  Beim nächsten Mal würde ich allerdings im La Casita bei Elena wohnen, weil mir die Hütten so gut gefallen haben und die Gastgeberin sehr sympathisch ist. Ich hab hausgemachte italienische Pasta genossen, als ich einmal zum Abendessen dort war. Supergut!

    Wasserspass am white beach

    Wasserspass am white beach

    Der ganze April ist windig, der Amihan weht konstant fast jeden Morgen von 6-14 uhr. Bin mit 9 und 12 bestens bedient und mache endlich endlich meine ersten Sprünge. Wie immer hilft nur dran bleiben, ausprobieren, hinfallen, aufstehen, weitermachen. Passion und persistence, sag ich mal.

    Shopping Paradies am white beach

    Shopping Paradies am white beach

    Eines Abends folge ich Katzengewimmer und sammle zwei frisch geborene Katzenbabies von der Strasse. Sie sind so klein, dass ich jeden Moment ihren Tod erwarte. Der soll dann aber in Frieden bei mir stattfinden und nicht auf der Strasse. Die beiden knuddeln und miauen die ganze Nacht und sind am Morgen auch noch recht fidel. Durch einen FB-Aufruf kommt mir Amy zu Hilfe und ich bin Katzenmami. Rund um die Uhr Trink-und Pinkel- und Knuddelservice, zwischendrin schnell aufs Wasser. Trotz aller Hingabe schaffen es beide nicht und ich bin ein paar Tage traurig und müde.

    Supermini

    Supermini

    Gut, dass der Wind weht und mein Kite fliegt. Ich geniesse es, einfach übers Wasser zu gleiten, meine Augen saugen das kristallklare Türkis auf und blinzeln ab und zu glücklich in den Himmel, wo mein wunderschöner Kite in der Sonne tanzt! Oh happy days!

    Boracay hat mich echt gerockt. Kein Ort auf meiner Reise hat mich bisher so verbraucht. Touristenmassen und Traumstrände, die zunehmend vermüllt werden. Luxusresort und Golfplatz neben Bambushütten ohne fliessend Wasser. Armselige Kreaturen mit und ohne Fell hinter der glitzernden White Beach Fassade.

    Baywatch

    Baywatch

    Der Tourismus boomt zu schnell, es wird kreuz und quer gebaut und die Kanalisation kommt nicht nach. Es gibt nicht mal ein richtiges Krankenhaus trotz 2 Mio Touris im Jahr und Parasailing, diving, kite- und windsurfing , ziplining etc. Boracay ist auf meiner Reise ein Meilenstein. Für mich ein wahr gewordener Kitesurftraum. In 25 Tagen war ich fast jeden Tag auf dem Wasser! Hier habe ich endlich meine Angst überwunden und springen gelernt.

    5.30 AM Bulabog

    5.30 AM Bulabog

    Nach einem Monat Boracay sind meine Batterien leer. Mein Abschied wird gekrönt von einer zweistündigen Jagd nach Geld. Ich klappere 8 ATM mit zwei Kreditkarten ab bei 40 Grad im Schatten. Schweiss lass nach! Ein Mangoshake kühlt mein kochendes Gemüt. Good bye Boracay. Ich flüchte mich nun einfach ganz feige zurück in die erste Welt – Hong Kong here I come.

     

    Anreise

    Flughafen Kalibo. In weniger als 15min hab ich mein gesamtes Gepäck und bin samt 30 Tages-Visum durch den Zoll. Dann Minivan ca. 1,5h für 250 PHP.

    In Caticlan am Hafen sammle ich insgesamt 4 Tickets ein, zahle nochmal 100 PHP environmental fee und 75 boracay tax oder andersrum. Das eigentliche Ticket krieg ich vom Busfahrer in die Hand gedrückt.

    Und schon bin ich auf der Bangka mit den Koreanern.

    Verpflegung

    Frühstück: Real Coffee am White Beach, Lazy Dog und Isla kite am Bulabog Beach

    Abends: Smoke Resto in der d´mall palengke, Subo (top end filipino Küche!), Kasbah, Munchies, Los Indios Bravos (spannende Biersorten wie exit wounds oder tropical haze), Sushi Siro, Timog am Bulabog Beach, d´talipapa markt.

    Wasser Refill: zum Plastik sparen und Geld. Am Ende der Hangin Rd, beim lazy dog hostel, main road neben dem sameone spa.

    Drinks: Congas bar station 3, Exit bar station 1, Wahine und Spider house am Diniwid Beach, toll zum Sonnenuntergang.

    Nützliches über Boracay

    Kitestorage: Bei Malvin von Ocean Republic dürfen meine Kites ( 9 und 12 qm) wohnen für 1800 PHP die Woche (überall derselbe Preis). Mein Kite wird von meinem Beachboy Toy (der heisst so!) aufgepumpt, aufgeräumt, gelauncht, gelandet. Wenn er nicht gerade schläft oder im Netz surft.

    Beste Massage: Sameone Spa in der main road ( die Swedish Massage ist preiswert und perfekt nach dem Kitesurfen).

    No wind activities: Carabao island, Tablas island, puka beach, scuba diving, yoga, stand up paddling, island hopping etc. Und und und.

    Vielversprechende No wind activity

    Vielversprechende No wind activity